Demenz: Wie man sie erkennen und behandeln kann

klodian

26/06/2023

Demenz ist ein allgemeiner Begriff, der eine Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten beschreibt, die so schwerwiegend ist, dass sie die Funktionsfähigkeit und Unabhängigkeit einer Person einschränkt. Es handelt sich nicht um eine spezifische Krankheit, sondern eher um ein Syndrom oder eine Gruppe von Symptomen, die das Denken, das Gedächtnis, das Verhalten und die Fähigkeit, alltägliche Aktivitäten auszuführen, negativ beeinflussen.¹

Was sind die Ursachen für Demenz?

Die Ursachen von Demenz sind vielfältig und können auf verschiedene Erkrankungen und Zustände des Gehirns zurückzuführen sein. Die häufigste Ursache für Demenz ist die Alzheimer-Krankheit, bei der sich abnorme Eiweißablagerungen im Gehirn bilden, die zu einem fortschreitenden Zellverlust führen. Eine weitere häufige Form der Demenz ist die vaskuläre Demenz, die durch Schlaganfälle oder Durchblutungsstörungen der Hirngefäße verursacht wird.² 

Weitere Ursachen von Demenz können neurodegenerative Erkrankungen wie die Lewy-Körper-Demenz oder die frontotemporale Demenz sein. Darüber hinaus können folgende Umstände zu Demenz führen:

    • Hirnverletzungen
    • Infektionen des Gehirns
    • Stoffwechselstörungen
    • bestimmte Medikamente
    • Vitaminmangel 

Es ist wichtig zu wissen, dass einige Ursachen von Demenz behandelt oder verhindert werden können, während andere unvermeidlich fortschreiten. Eine genaue Diagnose und die Identifizierung der spezifischen Ursache sind entscheidend, um geeignete Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten einzuleiten.

Demenz vs. Alzheimer: Was genau ist der Unterschied?

Demenz und Alzheimer-Krankheit werden fälschlicherweise oft synonym verwendet, dabei gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen den beiden Begriffen. Demenz ist ein allgemeiner Begriff, der eine Abnahme der kognitiven Fähigkeiten beschreibt. 

Die Alzheimer-Krankheit hingegen ist eine spezifische Erkrankung und die häufigste Ursache von Demenz. Es handelt sich um eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung des Gehirns, bei der abnorme Proteinablagerungen (sogenannte amyloide Plaques und neurofibrilläre Tangles) auftreten, die zum Verlust von Nervenzellen und Nervenverbindungen im Gehirn führen. Dieser Zellverlust beeinträchtigt die Kommunikation zwischen den Gehirnzellen und führt zu Gedächtnisverlust, kognitiven Beeinträchtigungen sowie Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen.

Mit anderen Worten: Die Alzheimer-Krankheit ist eine spezifische Form der Demenz, während Demenz der Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen ist, die zu einer ähnlichen Abnahme der kognitiven Fähigkeiten führen können.³ Alzheimer ist also immer (ein Beispiel für) Demenz, aber eben nicht andersherum.

Demenz: Welche Symptome gibt es?

Demenz ist durch eine Vielzahl von Symptomen gekennzeichnet, die im Verlauf der Erkrankung auftreten können. Zu den häufigsten Symptomen zählen Gedächtnisverlust, Orientierungsprobleme, Schwierigkeiten mit der Sprache und dem Verständnis sowie Veränderungen im Verhalten und der Persönlichkeit.

    • Gedächtnisverlust: Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, sich an kürzlich erlebte Ereignisse oder Informationen zu erinnern. Sie vergessen wichtige Termine oder wiederholen immer wieder die gleichen Fragen.

    • Orientierungsprobleme: Menschen mit Demenz können Schwierigkeiten haben, sich in vertrauter Umgebung zurechtzufinden oder bekannte Wege wiederzuerkennen. Sie können verwirrt sein und die zeitliche oder räumliche Orientierung verlieren.

    • Sprachstörungen: Demenzkranke können Schwierigkeiten haben, Wörter zu finden oder Sätze zu formulieren. Die Sprache kann verlangsamt oder undeutlich sein. Auch das Sprachverständnis kann beeinträchtigt sein, was Gespräche erschwert.

    • Verhaltensänderungen: Demenzkranke zeigen häufig Verhaltensänderungen wie Reizbarkeit, Aggressivität, Rückzug von sozialen Aktivitäten oder Antriebslosigkeit. Auch Schlafstörungen, Ängste und Depressionen können auftreten.

    • Veränderung der Persönlichkeit: Die Persönlichkeit des Betroffenen kann sich im Verlauf der Erkrankung verändern. Personen mit Demenz können sich von früheren Interessen und Hobbys distanzieren und Verhaltensweisen zeigen, die früher untypisch gewesen wären. Dies kann von Desinteresse an sozialen Kontakten bis hin zu emotionaler Instabilität reichen.

Es ist wichtig zu wissen, dass die Symptome von Person zu Person variieren können, da Demenz eine fortschreitende Erkrankung ist, die sich mit der Zeit verschlechtern kann. Das Risiko, an Demenz zu erkranken, steigt zwar generell mit dem Alter, ist jedoch keine zwangsläufige Folge des Älterwerdens.

Die Diagnose einer Demenz erfordert eine umfassende Bewertung der Krankengeschichte, eine körperliche Untersuchung, kognitive Tests und manchmal bildgebende Verfahren oder Laboruntersuchungen, um andere mögliche Ursachen auszuschließen. Obwohl es für die meisten Demenzformen keine Heilung gibt, kann eine frühzeitige Diagnose den Betroffenen und ihren Familien helfen, die Zukunft zu planen, Unterstützungsdienste in Anspruch zu nehmen und eine angemessene Behandlung zu erhalten, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Medikamentöse Behandlung von Demenz

Die Behandlung von Demenz zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Sie umfasst in der Regel eine Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen. Die meisten Demenzerkrankungen, einschließlich der Alzheimer-Krankheit, sind nicht heilbar. Bestimmte Medikamente können jedoch dazu beitragen, die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen.

Cholinesterase-Hemmer

Cholinesterase-Hemmer sind eine Gruppe von Medikamenten, die häufig zur Behandlung von Demenz eingesetzt werden. Sie wirken, indem sie das Enzym Cholinesterase hemmen, das normalerweise den Abbau des Neurotransmitters Acetylcholin im Gehirn reguliert. Durch die Blockade der Cholinesterase wird der Acetylcholinspiegel im Gehirn erhöht, was zu einer Verbesserung kognitiver Symptome wie Gedächtnisverlust und Verwirrtheit sowie zu einer vorübergehenden Verringerung einiger Verhaltenssymptome bei Patient:innen mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Krankheit führen kann. Beispiele für Cholinesterasehemmer sind Donepezil, Rivastigmin und Galantamin.

Memantin

Memantin ist ein NMDA-Rezeptorantagonist, der die Wirkung des wichtigen Neurotransmitters Glutamat im Gehirn reguliert. Es wird vor allem bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Krankheit eingesetzt. Durch die Modulation des Glutamat-Spiegels kann Memantin dazu beitragen, die kognitiven Funktionen zu verbessern und das Fortschreiten der Symptome zu verlangsamen.

Was es bei zu beachten gilt

Die genannten Medikamente sind möglicherweise nicht für alle Demenzkranken geeignet, ihre Wirksamkeit kann von Person zu Person variieren und zudem ist zu beachten, dass sie den zugrundeliegenden Krankheitsprozess nicht aufhalten oder umkehren können.

Die Entscheidung über die jeweilige Anwendung sollte stets in Absprache mit Ärzt:innen getroffen werden. Die Wahl des Medikaments hängt von der Art und dem Stadium der Demenz, den individuellen Symptomen und anderen Faktoren ab. Neben der medikamentösen Behandlung ist es auch wichtig, nicht-medikamentöse Ansätze einzubeziehen, wie z. B. kognitive Stimulationstherapie, Verhaltensmanagement-Techniken und Unterstützungsdienste für Menschen mit Demenz und ihre Betreuer:innen. Sie spielen allesamt eine entscheidende Rolle in der Gesamtbehandlung von Demenz.

Quellen

¹ Bundesministerium für Gesundheit. „Diagnose Demenz: Krankheitsbild und Verlauf“. Verfügbar unter: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-demenz/krankheitsbild-und-verlauf.html (Zugriff am 8. Juni 2023)

² Alzheimer Bayern e.V. „Ursachen einer Demenz“. Verfügbar unter: https://www.alzheimer-bayern.de/index.php/demenz/ursachen-einer-demenz  (Zugriff am 8. Juni 2023)

³ Alzheimer Forschung Initiative e.V. „Alzheimer“. Verfügbar unter: https://www.alzheimer-forschung.de/alzheimer (Zugriff am 8. Juni 2023)

⁴ Alzheimer’s Association. „Was ist Demenz?“ Verfügbar unter: https://www.alz.org/alzheimers-dementia/what-is-dementia (Zugriff am 8. Juni 2023)

⁵ Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. „Medikamentöse Behandlung bei Alzheimer“. Verfügbar unter: https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/Alz/pdf/factsheets/infoblatt5_medikamentoese_behandlung_dalzg.pdf (Zugriff am 8. Juni 2023)

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